Buchholzens

Wochen-
Schauer

Der ständig wechselnde Wochenkommentar

Nr. 472 - vom
16. Juli 2010




Hannelore Kraft, Fritz Teufel, Jürgen Löw
und die anderen üblichen Verdächtigen

Das Sommerloch hat mal wieder seinen Dienst angetreten ­ als Urlaubsvertretung der Kanzlerin, die derweil ihre Russischkenntnisse auffrischt beim letzten Plauderstündchen mit Herrn Medwedjew. Dann geht's noch einmal kurz in den fernen Osten - ab dann ab in den nahen, in die uckermärkische Sandwüste, wo keine Westerwelle rauschet an den Strand.

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In Nordrhein-Westfalen macht eine Minderheit die Kraft-Probe - und setzt dabei verstärkt auf Frauen-Power, getreu dem früheren CDU-Slogan: "Wir haben die Kraft". Die neue Chefin preist sich selbst, weil ihr Kabinett zur Hälfte aus Frauen besteht: "Das gab's noch nie in dieser Republik." Gab es wohl: Im einstigen rot-grünen Momper-Senat von West-Berlin waren die Frauen sogar in der Überzahl. Ist allerdings lange her; das war kurz vor dem Mauerfall. Ich erinnere mich aus dieser Zeit an eine Szene in der Berliner U-Bahn. Ein mittelalter Insulaner taucht mit inquisitorischer Pupille aus den Untiefen seiner BZ auf und grunzt seine Neben-Gattin an: "Bald nur noch Weiber im Senat. Wo sind wir denn hier?" Sie: "Dann jeh doch nach drüben, wenn's dir hier nich paßt."

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Fritz Teufel ließ sich endgültig einkommunarden. All die schein-alternativen Schickis und Mickis erschienen zum finalen Happening, auch der grau ermattete Langhans. Vom halbwegs lebendigen Teufel abgesehen versammelten sich zur Leichenschändung meist nur Szene-Zombies. Anarcho-dogmatische Kittelmännchen schon damals oder eben schleimige Sanft-Machos, auch wenn nicht alle die Uschi geobermaiert haben. Puddding-Helden. Herr Weinert, verzeihen Sie, wenn ich Sie kurz abwandle:

Waren einstmals Revoluzzer,
von Berufsstand Puddingnutzer:
Erst medienwirksam revuluzzt,
im Medienpudding dann verputzt.

Alle schon lange als Revoluzzer ex. Exen nur noch vor sich hin. Die Familiengruft als letztes Pflegeheim der Kommune 1 bis unendlich. Wenn's denn der Ruhefindung dient...

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Bei der Deutschen Bahn hat man endlich die vier Hauptschuldigen entdeckt, die immer wieder Klima-Katastrophen in den ICE-Zügen verursachen - nämlich Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Man überlegt bei der Bahn sogar, ob man nicht zumindest in diesen Jahreszeiten den gesamten Zugverkehr einstellen sollte.

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War sonst noch was? Ach ja, der Löw. Das ist der Bundestrainer der ballernden Herren, die für einen gewissen Kick in Südafrika gesorgt haben. Der "Spiegel" hatte in einer Reportage indezent angedeutet, daß Löw der Oberhirte einer "Schwulen-Mafia innerhalb des Nationalteams" sei. Ein DFB-Sprecher erklärte sofort, daß man auf solche Gerüchte nicht eingehe; so was sei unterhalb der Gürtellinie (was rein anatomisch richtig beobachtet ist).

Es ist auch in Zeiten der tollen Toleranzigkeit immer noch ein heftiges Tabu: Schwule Fußballer darf es nicht geben! Da würden gesamtdeutsch alle Stammtische aufjaulen und aufjohlen: Von wegen Mann-Deckung und so... Wer sich da outet, läuft in die Abseits-Falle. Der ist out. Also ist man's nicht, nämlich schwul. Um das zu beweisen (möglicherweise auch sich selbst), grätschen sich die Herren gegenseitig brutal ins Gemächte, wenn's sein muß. Alte römische Fußballer-Weisheit: Kastrare necessum est.

Jedenfalls: Der Löw hat sich noch nicht entschieden - nein, das hat jetzt nichts mit dem vorherigen Absatz zu tun: Er hat sich noch nicht entschieden, ob er weiter im hellblauen Designer-Leibchen seine Jungs bundestrainieren will. Mal seh'n, wie's weiterlöwt.

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Apropos - der Löw kommt auch in einem meiner lyrischen Ergüsse vor. Und zwar rein zufällig; soll heißen: Jegliche Ähnlichkeit mit einem real existierenden Joachim Löw ist noch nicht einmal zufällig beabsichtigt; es handelt sich um eine schlichte namentliche Ähnlichkeit.

Ich füge dieses kleine Poem auch nur an diesen Wochenschauer an, weil ich gelegentlich den Vorwurf höre, daß ich nicht mehr so grundsätzlich politisch sei. Nun war ich das grundsätzlich nie, weil ich alle Grundsätze prinzipiell in Frage stelle. Genug der Ausreden, hier das letzte prinzipielle Werk aus meiner Feder:



Freie Wahl

Die Tiere wählen sich ein Parlament,
und jedes Tier entscheidet effizient
für jenes sich, das es am besten kennt.
Bestimmt es doch auf diese Weise mit,
wer es am sinnvollsten vertritt.

Damit die Wahlverwandschaft funktionier',
wählt drum das Reh das Reh, der Stier den Stier.
Das Murmeltier wählt sich das Murmeltier.
Das Känguruh wählt sich das Känguruh
Die Seekuh wählt ... na, jetzt rat du.

Es wählt der Aal den Aal, der Wal den Wal
Und der Schakal wählt den Schakal.
Kurz: Jedes Animal erkürt ein Animal,
wie man's ihm vor der Wahl empfahl,
von seiner Art, aus seinem Areal.

Doch als die Schafe sich zur Wahl entschieden,
da wählten sie den Löw. Der war's zufrieden.
Schafsköpfig war der Eindruck so vermieden.
als wählt' man nur nach eig'nen Interessen.
Wir Schafe wählen die, die uns dann fressen.










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