Der CIA-Otto

(Nr. 289 - vom 9. Dezember 2005)

Kennse den, wo der Otto Schily einen Anruf kriegt von seinem alten Kumpel Gerhard? Also, der geht so: Otto wird von seinem alten Kumpel Gerhard angerufen, und der sagt zu ihm: "Mensch, Otto, mir ist gerade was ganz Blödes passiert. Ich habe aus Versehen Deine Frau erschlagen. Ich hab sie glatt mit meiner verwechselt. Sorry, Alter!" - Und Otto sagt: "Leider ist das keine Information, die mich in die Lage versetzt, dafür zu sorgen, daß einem deutschen Staatsbürger kein Leid geschieht - zu einem Zeitpunkt, wo ich hätte eingreifen können." - "Aber müßtest Du mich nicht zumindest anzeigen", fragt sein Kumpel verwundert. "Immerhin ist es doch sowas wie eine Straftat, die ich da begangen habe." - Otto erwidert kühl: "Ich bin doch nicht der Erfüllungsgehilfe der Staatsanwaltschaft." - Und damit war die Sache für ihn erledigt.

Sie fragen Sich vielleicht, wo bei diesem Witz die Pointe sein soll? Nun, die Pointe an diesem Witz ist die, daß es sich gar nicht um einen Witz handelt. Original das waren die Sätze, die Otto Schily in der jüngsten Ausgabe der "Zeit" zu Protokoll gab, befragt zu seinem Mitwissen um die Entführung eines deutschen Staatsbürgers durch die CIA. Die hatte allerdings aufgrund einer Namensverwechslung den ganz Falschen gekidnappt und dann nach Afghanistan ausgeflogen, wo er in einem US-Geheimknast monatelang "angeblich" verhört und gefoltert wurde (das "angeblich" steht allerdings in der normalen Berichterstattung nirgendwo in Anführungsstrichelchen).

Der US-Botschafter in Berlin machte dem deutschen Innenminister hinterher Mitteilung von dem kleinen Mißgeschick der Kidnapper. Schily war wahrscheinlich froh, daß er nicht selber zum Opfer dieses CIA-Irrtums geworden war (sieht er doch mit seinen Stirnfransen einem reinrassigen Afghanen zum Verwechseln ähnlich) und versprach, über die Sache Stillschweigen zu wahren. Das tut er noch heute, denn schließlich war "Vertraulichkeit" vereinbart worden. Vertrauen ist gut, Vertraulichkeit ist noch besser. Und die CIA ist ja auch etwas ziemlich Geheimes, also etwas höchst Vertrauliches.

Denn, bitte sehr, was war schon Besonderes geschehen? Da schnappt sich die CIA einen deutschen Staatsbürger (egal, ob Terrorist oder nicht), verschleppt ihn in einen ausländischen Folterkeller und quält ihn dort monatelang, um ihn dann später wieder irgendwo auf dem Balkan auszusetzen - immerhin, und das muß man anerkennen, noch halbwegs lebendig. Wahrscheinlich hat sich Schily für so viel Fürsorglichkeit bei den Amis auch noch bedankt. Die hätten den Mann ja auch einfach verschwinden lassen können. Schily wäre das garantiert nicht aufgefallen. Schließlich konnte er sich nicht um jeden einzelnen deutschen Staatsbürger kümmern - und schon gar nicht um einen, der Khaled al-Masri heißt und allein dadurch schon hinreichend verdächtig ist.

Warum hätte Schily deshalb die deutsche Staatsanwaltschaft informieren sollen? Erstens ist die für die CIA gar nicht zuständig und zweitens ist Schily nicht irgendein Büttel, wie er noch einmal ausdrücklich klargestellt hat. Da ist er lieber ein klammheimlicher Komplize von amerikanischen Folterknechten, damit die ungestört ihr menschenfreundliches Business-as-usual fortsetzen können.

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Ich merke schon, ich habe mich in den letzten Absätzen mehrfach zu polemischen Fehlinformationen hinreißen lassen. Von "Folter" und "Folterknechten" kann in diesem Zusammenhang selbstverständlich gar keine Rede sein. Schlimmstenfalls ging es um "verschärfte Verhörmethoden". Von Springers "Welt" wurde ich aufgeklärt, was darunter zu verstehen ist:

"Es beginnt damit, daß der Verhörte geschüttelt und mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen wird. Steigerungen bestehen darin, daß er in die Magengrube geschlagen wird, 40 Stunden lang gefesselt stehen muß oder nackt in einer 10 Grad kalten Zelle gehalten wird und dabei regelmäßig mit kaltem Wasser übergossen wird. Die höchste Stufe ist das sogenannte Waterboarding: Der Verhörte wird unter kaltes Wasser getaucht, bis er glaubt zu ertrinken."

In der gleichen Ausgabe der "Welt" fragt der Kommentator: "Wie wird man Informationen erhalten von Terroristen, die sich bei einer Tasse Tee durch gutes Zureden nicht beirren lassen?" Hübsch gefragt von einem, der ganz offenbar die dauernde Teetrinkerei mit Terroristen satt hat. Und weiter: "Ist der Rückgriff auf Folterpraktiken in absoluter Weise zu verurteilen und zu bannen, selbst wenn es darum geht, daß sich eine Rechtsordnung gegen Feinde schützen muß, die sich außerhalb des Rechts bewegen?"

Soviele drängende Fragen, und dann endlich die rechtsstaatliche Antwort: "Man sollte sich keinen Heucheleien hingeben. Im Bedrohungsfall hat noch jeder Rechtsstaat seine Normen außer Kraft gesetzt, um das Recht zu schützen."

Werden die Duz-Freundinnen Angela Merkel und Verlegerin Friede Springerwohl darüber plaudern, wenn sie sich demnächst wieder zu einem Tässchen Tee treffen? Immerhin: Der "Welt"-Kommentator nimmt die Forderung "Mehr Freiheit wagen" blutig ernst. Mehr Meinungsfreiheit für Folter-Propagandisten!

Wie sagte einst der olle Neuss: "Manchmal kann man gar nicht so viel kotzen, wie Springer einem zu lesen gibt."