Bekenntnisse

O Herr, 

obama dich seiner!

Nr. 549 – vom 31. August 2012
Mein Gott, was ist eigentlich mit Dir los? Verzeih, wenn ich Dich so vertraulich duze. Ich glaube zwar nicht an Dich, aber das beruht wahrscheinlich auf Gegenseitigkeit. Damit wären wir miteinander quitt. Deshalb – mal ganz unter uns Ungläubigen: Sag mal, wann endlich siehst Du als angeblicher Schöpfer allen Lebens endlich ein, daß Du Dich bei Deiner Schöpfung gründlich verschöpft hast. Nur ein Beispiel: Als Du den ersten Bruttotyp des amerikanischen Republikaners vom Fließband laufen ließest, hättest Du doch spätestens bei der ersten Werkskontrolle merken müssen, daß Dir da etwas mißlungen ist. Offenbar hast Du ihm versehentlich statt eines Hirns einen Doughnut unter die Hirnschale gepflanzt. Nun wird im Fernsehen allabendlich gezeigt, was dabei heraus kam: Kollektive Frankenstein-Existenzen, die aber Dir als ihrem Abteilungsleiter aus der Sparte Human Design auf ewig dankbar sind für ihre ungeistige Mißbildung (bzw. Misterbildung). Als vermeintlich gottgewollte Kreationisten-Kretins verweigern sie sich jeglicher menschlichen Evolution – sofern es sich nicht um die Entwicklung neuer Waffensysteme handelt. Da wird schon den Babys statt einer Klapper ein MG in den Kinderwagen gelegt: O Baby, baby ballaballa.
 
Daher auch dieses ewig debile Grinsen. Diese Lächel-Laller grinsen sogar noch, wenn sie sich gegenseitig umlegen – in der Schule, auf der Straße, auf dem Parkplatz, im Supermarkt, im Kino: Man trifft sich eben so. Das Land des leeren Lächelns: Statt Scheiße heißt es Cheese. Dieser bigott-fundamentalistische Cheese-Haufen von Cheese-Burgern hat früher schon so seltsame Primitiv-Primaten wie Ronald Reagan und George Bush auf die restliche Menschheit losgelassen. Jetzt also wurde in Tampa auf dem Affenzirkus des Parteikonvents Mitt Romney als Alpha-Tier gekürt, einer vom Stamme der Mammon-Mormonen. An seiner Seite ein permanent grinsfressiges Smiley-Monster, ein Show-Down-Killer namens Paul Ryan, immer bereit zum asozialen High Noon auf der American Mainstreet. (Ach, wie sehr sehne ich mich nach Sara Palin! Erst im Nachhinein erkenne ich nach der Rede von Ryan, was diese Alaskanerin mit ihrem tiefgefrorenen Fischstäbchen-Charme an intellektuellem Format zu bieten hatte.)
 
Selbst Gott sah in einem lichten Moment, daß es nicht gut war. Also schickte Er einen großen Hurrikan aus nach Tampa im Staate Florida, um über die dort Versammelten, die in unbeirrbarer Dumpfbirnigkeit an keine Klimakatasrophe glauben wollen, ein für allemal auf einer Tsunami-Welle hinwegzusurfen. Doch zögerlich und wundersam wie Seine Ratschlüsse zuweilen sind, hielt Er in letzter Minute die Winde an. Er hatte erkannt, daß Er gegen die heiße Luft, die dort rhetorisch abgelassen wurde, mit all seinen Stürmen machtlos war.
 
Und so zog Er sich wieder zurück aus God’s Own Country. Warum? Vielleicht, um seinen einstigen Messias hart zu prüfen, der vor vier Jahren palmsonntäglich umwedelt ins Weiße Haus eingezogen war und mit seinem Evangelium so viele Herzen gläubig erfüllte. Doch die frohe Botschaft war schnell verklungen ebenso wie das Hosianna, das ihn willkommen hieß. Allzuschnell verschwanden seine Verheißungen im Guantanamo des Vergessens. Soll er nun wirklich dafür büßen? Er hätte es verdient. Doch angesichts der Romney/Ryan-Gang vor seiner Haustür (wäre ein schöner Filmtitel: „Barack allein zu Haus“) bin ich versucht, diesem Mister President eine gewisse sozialdemokratische Gnade angedeihen zu lassen. Soll heißen: Die Wahl des kleineren Übels.
 
Apropos: Noch zu Bush-Zeiten, im Juni 2008, habe ich zwar mit meiner Sympathie für Barrack Hussein Obama nicht hinterm George gehalten, genauer: nicht hinterm Bush, doch war ich nie ein gläubiger Obamist. So hatte ich damals, sehr zum heftig ge-emailten Mißfallen einiger meiner Leser (mehr noch der Leserinnnen) eine  quasi-atheistische Hymne auf den Damals-noch-nicht-Präsidenten geschrieben, als er in Berlin siegessäulenbeglänzt seine Niederkunft hatte. Der Engel auf der Säule war das einzig Engelsgleiche, was ihm zu jener Zeit in Berlin begegnete; keine sonstige Angela wollte ihn offiziell beflügeln. Ansonsten aber sank alles im hoffnungsvollen Hallelujah auf ein besseres Amerika vor ihm auf die Knie. Hier sei meine damalige Barracklästerung zur andächtigen Einnerung noch einmal ins weltweite Netz gestellt:



Oh, oh, Bama, Bama!
 

Amerika, dein Ruf war verschandelt!
Den geklonten Blödmann, den Double-You,
erwähltest zum Präsidenten du
und hast dir grausamen Hohn eingehandelt.
 
Nun hast du otherwise angebandelt
mit dem Heil’gen Obama, Messias gleich.
Und Old Europe wird’s in den Knie’n weich.
Denn wisset, es wird kommen Sein Reich! 
Sehet, wie Er über’s Wasser wandelt.
Ja, Er kommt zu uns über‘n Großen Teich.
 
Und worldwide von Kreuzberg bis Alabama
läuft die Show, das große Erweckungs-Drama:
„Erbarme Dich unser, Großer Obama!“
(Nischt mehr mit Dalai! Der Lama, der wa’ ma’...)
 
Weil ich Messiasse nicht anerkenn’,
grunz ich genervt ins gläubige Geflenn’:
„You can me crosswise, Gentlemen!“
Als Antwort jubelt’s: „Yes, we can!“ 
 
(Typical Buchholz! The old Penner
ist voller Neid auf wahre Könner.
Doch wird der B. – und sogar wenn er
das wollte – niemals ein Bekenner.
Sein Glauben ist ein ziemlich lahma.
Oh, betet für ihn zu Obama!)