Satire-Letter Nr. 776 vom 10. Oktober 2026
DER MERZ IM OKTOBER
I.
Ich habe noch die leicht angeraute Stimme von Harry Belafonte im Ohr: „Try to remember the kind of September…“ Nun, den diesjährigen politischen September würde man wohl eher vergessen wollen, zumindest was Sachsen-Anhalt angeht. Nur leider wird das nicht gehen. Da hat wohl eher der etwas angeschmalzte Sänger von Green Day recht, der da fordert: „Wake me up when September ends“.
Nun haben wir Oktober, und das Grauen geht weiter. Bei der Wahl des Magdeburger Landtagspräsidenten (als auch des Fiese-Vorsitzenden aus demselben nazional gesinnten Verein) haben einige Noch-CDU-Abgeordnete sich hinter der ohnehin bröckelnden Brandmauer hervorgewagt und in anonymer Mission… mir fällt jetzt das richtige Verb nicht ein; vielleicht? … mitge-Nazit. Nee, sorry, das kann man so wohl doch nicht sagen. Das wäre ein total unhaltbarer Verdacht. Sagt zumindest der Vorsitzende der immer-noch-irgendwie-regierenden CDU. Merz heißt der Mann, Friedrich Merz. Ich erwähne das nur, falls einige von Ihnen den Namen aus polit-hygienischen Gründen aus ihrem Gedächtnis verdrängt haben sollten, was ich verstehen könnte. Manchmal hat man Erinnerungsschwächen. Das ergeht auch etlichen CDU-Leuten inzwischen so. Sie können sich partout nicht daran erinnern, warum sie diesen Friedrich zum Kanzler gemacht haben.
Besagter Friedrich hat seine Mannen im sächsisch-anhaltischen Parlament … es sind 13 Mannen und zwei Frauen, doch auch die sind wohl eher weibliche Männlein; und bei der AfD-Fraktion sind es 37 Kerle und zwei Kerlinnen – jedenfalls hat Merz seine Parteileute in Schutz zu nehmen versucht, und sich selbst gleich mit. Er sabbelte in seiner Verzweiflung irgendetwas von einer „false flag“-Operation. So bezeichnet man beim Militär geheime Operationen, bei denen man dem Gegner eins auszuwischen versucht, indem man scheinbar unter dessen Flagge und Identität Handlungen begeht, die ihm unweigerlich schaden werden.
Nun war der Ausdruck „false flag“ insofern richtig, weil ein paar CDU-Abgeordnete klandestin zur AfD übergelaufen waren, aber dabei immer noch demonstrativ mit der CDU-Fahne herum wedelten. Nur meinte Merz mit dieser Formulierung, dass da linke subversive Kräfte hinterhältig die Rechtsradikalen unterstützt hätten, um diesen Verrat dann der CDU anzulasten. Diese hilflos verlogene Reaktion löste selbst in einigen seiner Parteikreise Hohn und Häme aus. Mich erinnerte das an ein Zitat einer meiner Lieblingsautoren, nämlich Mark Twain. Der meinte mal: „Es ist besser, den Mund zu halten und den Eindruck zu erwecken, man sei blöde, als ihn aufzumachen und jeden Zweifel zu beseitigen.“
II.
Themenwechsel. Auch bei mir ist der Oktober im vollen Gange. Ich komme gerade zurück von der Frankfurter Buchmesse, wo ich mein neues Buch, meinen ersten Krimi mit dem Titel „Röslein, Röslein, Röslein – tot“ vorgestellt habe. Bei einer Lesung im Theater KÄS erlebte ich einen tollen Abend mit begeisterten Menschen, die mit ihrem Applaus gar nicht aufhören wollten. Hat mir das Herze gewärmt.
Doch die offizielle Buchvorstellung findet erst am nächsten Mittwoch in Berlin statt, am 14. Oktober um 20 Uhr im Lesesaal der Thalia-Buchhandlung am Tauentzien. Gregor Gysi, der nach eigener Aussage ein „heftiges, intelligentes Vergnügen“ beim Lesen meines Machwerks hatte, wird es präsentieren. (Das Foto oben zeigt uns bei einer der früheren gemeinsamen Auftritte.) Die Veranstaltung ist schon sehr gut besucht, doch noch gibt es Karten:
Natürlich können Sie signierte Exemplare auch bestellen unter
Kostenpunkt: 20 € plus 3 € Versandkosten. Bei Bestellungen von mindestens zwei Büchern entfallen die Versandkosten (immer dran denken: Au-Weih-nachten lauert schon im Kalender).
Es grüßt Sie wie immer herzlich und hirnlich