Satire-Letter Nr. 777 vom 21. Oktober 2026
Wie Elif Eralp zum wiedergeborenen Honecker wurde
I.
In der letzten Woche fand nun in Berlin die offizielle Buchpremiere meines Erst-Krimis „Röslein, Röslein, Röslein - tot“ statt. Gregor Gysi als Moderator behudelte mein zweifelhaftes Machwerk mit einem gregorianischen Lobgesang: „Eine sehr spannende und zugleich vergnügliche Lektüre, weil Martin die üblichen Krimi-Klischees ironisch überspitzt und sie so lustvoll enttarnt.“ (Mein Buch können Sie weiterhin mit Signatur bestellen unter kontakt@martin-buchholz.de.)
Nach der Vorstellung saßen wir beide für zwei, drei Weine zusammen (sein Wein war weiß, meiner rot; es gibt doch sehr viel Trennendes zwischen uns) … Jedenfalls kamen wir dabei zwangsläufig auf die aktuelle Berliner Polit-Situation zu sprechen. Nicht ganz einig waren wir uns in der Frage, ob man nicht das Existenzrecht Neuköllns im Berliner Linken-Verband ganz entschieden in Frage stellen sollte. Ich Pro, er vorsichtig Nicht-so-ganz-Pro, wobei ich ihm seine Vorsicht nachsehen will: Er ist ja immer noch Mitglied in dieser Partei; zumindest glaubte ich das herauszuhören.
Doch im Grunde waren wir uns einig: Wer das Existenzrecht Israels in Frage stellt, hat kein Aufenthaltsrecht in einer demokratischen Partei. (Es sei denn, es handelt sich um eine Partei, die das deutsche Jahrtausendverbrechen des Holocaust ohnehin nur als einen „Fliegenschiss“ in der Geschichte ansieht.
II.
Nun sind alle Linken bekanntlich Antisemiten – zuvörderst eine gewisse Frau Erif Eralp (das obige Bild zeigt das bühnenumspannende Banner beim Kongress der Jungen Union). Die bedingungslosen Netanyahu-Versteher in unseren Medien (lange Zeit auch in der Chefredaktion des „Tagesspiegel“) waren mit ihrem vernichtenden Urteil immer sehr schnell bei der Hand, wenn jemand es wagte, Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu üben. Sogar der Völkerrechtler Philippe Sands, gerade ausgezeichnet mit dem Friedenspreis der Deutschen Buchhandels, und die diesjährige Friedens-Nobelpreisträgerin, die südafrikanische Menschenrechtlerin „Navi“ Pillay, gerieten unter entsprechenden Verdacht. Sie sahen es nicht als ein naturgegebenes Recht einer halb faschistischen Regierung an, nach dem grauenvollen Massaker der Hamas nun ebenso grauenvoll massenhaft Palästinenser zu massakrieren, und zwar zu Aberzehntausenden.
Aber es kommt noch schlimmer: Diese Linken sind nicht nur anti-netuyanistisch (also eindeutig antisemitisch) … nein, sie sind zudem als ostzonale Honneckeristen entlarvt. So hat Markus Söder, bayernweit anerkannt als Experte für DDR-Geschichte, die linke Möchtegern-Diktatorin Eralp eindeutig identifiziert als „Honecker 2.0“. Viele andere wissenschaftliche Koryphäen, wie etwa die Berliner Ex-Doktorin Giffey, haben diese exakte Analyse bestätigt.
Will doch die linke Chef-Bolschewistin tatsächlich private Wuchermietenkonzerne, die einst Landeseigentum waren, wieder ins Landeseigentum zurückholen. Bloß weil da im Grundgesetz ein Artikel 14 steht, dessen zweiter Absatz lautet: „Eigentum verpflichtet, und sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Im folgenden Absatz heißt es gar, dass eine Enteignung „zum Wohl der Allgemeinheit“ möglich sei. Ich bitte Sie, wer kann denn einen solch albernen Scherzartikel ernst nehmen. Da könnte man ja glatt zum Verfassungsfeind werden.
III.
Um nochmal auf mein Gespräch mit Gysi zurückzukommen. Ich fragte ihn, ob er nicht bei der ganzen aufgeheizten und aufgehetzten deutsch-nationalen Diskussion um die verteufelte Beelzebüberei der Linken ein Revival-Gefühl habe, ein Alles-schon-mal gehabt-Erlebnis. Und natürlich wusste er, was ich mit diesem Déjà-vu meinte.
Eine Erinnerung an den Juni 2001. Damals wurden ein regierender Eberhard seines diepgenösen Regierungssessels entsesselt. Klaus Wowereit von der SPD wurde mit Duldung eines Gregor Gysi von der damaligen PDS zum Regierenden Bürgermeister gekürt.
Der CDU-Spitzenkandidat für die damals anstehende Wahl im Oktober 2001, ein gewisser Frank Stoffel oder Stiesel oder so ähnlich, warnte in allen Frontstadtblättern schlagzeilenstark, dass Berlin nach Peking und Havanna nun die dritte Hauptstadt unter kommunistischem Einfluss sein würde. Und auch die Bundes-SPD machte mit Horrorvisionen von einem künftigen Gysi-ismus ganz entschieden Front gegen das Bündnis der Berliner Sozialdemokraten mit der vermaledeiten Linken. In meiner Satire-Kolumne Numero 84 vom 9. Juni 2001 schrieb ich dazu:
Die Christdemagogen läuten Sturm mit jedweder verfügbaren Freiheitsglocke. Und alle Pawlowschen Hunde des alten Wüstberlin reagieren im bedingten Reflex auf das Gebimmel: Insulaner, hört die Signale! Auf zum letzten Gefecht!
Aus der Tiefkühltruhe des Kalten Krieges kratzt man die letzten Westberliner Stammhirnzellen heraus, die Landowski und Co. dort vorsichtshalber für Notzeiten eingebunkert hatten. Schon hört man ihn aufheulen, den Chor der Ewig-Westlichen. In lustvoller Panik kreischen die Megären, dass die Mongolen ante portas stünden, um die Wilmersdorfer Witwen zwecks grausamer Schändung auf den westöstlichen Diwan zu zerren. Zu ihrem Schutze sind alle Berliner Kampfhunde aus der Springer-Hütte von der Leine gelassen worden. Das schlagzeilenträchtige Gekläff hatte stets den gleichen misslaunigen, reaktionären Sound: Die Linken, die stinken – und zwar uns, den Rechten.
IV.
Alles wie schon längst gehabt! Und da saßen wir nun, Gregor und ich, an einem späten Oktoberabend des Jahres 2026 beim Wein zusammen. Zwei inzwischen etwas angekalkte Urgesteine, die sich mit gruseligem Schmunzeln erinnerten an angeblich lange vergangene Zeiten, die einfach nicht vergangen sein wollen. Mit erhobenen Weingläsern nahmen wir noch einmal Anstoß aneinander und verabschiedeten uns dann.
Und so wanderten zwei seltsam zwielichtige Figuren hinaus in die deutsche Nacht – jeweils in die entgegengesetzte Richtung, versteht sich. Er nach Osten, ich nach Westen. Kein Wunder, dass wir uns mitmenschlich niemals richtig verstehen können.
Es grüßt Sie herzlich und hirnlich