Satire-Letter 767 vom 1. Juli 2026
DIETER NUHR IST KEIN FRAUENMÖRDER!
I.
Nein! Nein! Nein! Dieter Nuhr ist kein Frauenmörder. Das muss hier endlich einmal mit aller Deutlichkeit gesagt werden, was immer auch ansonsten verleumderisch über ihn getuschelt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass er ein Frauenmörder sein könnte, ist schon deshalb gleich null, weil er einer von zig Millionen Männern in diesem Lande ist. Warum sollte also ausgerechnet er einer sein, der Frauen umbringt? Ausserdem warnt er seine gewiss sehr zahlreichen Verehrerinnen sogar eindringlich vor sich selbst: „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt.“
II.
Als ich mir diese Nuhr-Sendung, von der hier die Rede ist, in einem Anfall von masochistischer Selbstquälerei zu Gemüte führte, kam mir unvermutet Dr. Kuntz in den Sinn. Den kennen Sie glücklicherweise nicht. Er war Geschichtslehrer an meinem Weddinger Gymnasium in den späten Fünfzigerndes letzten Jahrhunderts. Und er war ein alter Nazi, allerdings zeitgemäß runderneuert. Auf seine früheren tausend Jahre kam er selten zu sprechen. Doch einmal redete er sich in Rage, als er über Geschichtsfälschungen sprach: „Sechs Millionen angeblich ermordete Juden! Das wäre schon logistisch die reine Unmöglichkeit, darüber gibts auch genaue Berechnungen. Bittesehr, damit das klar ist, es ist schon schlimm genug, wenn nur ein einziger Jude getötet wurde, ABER…“
III.
Dieses ABER war es, an dass ich mich erinnert gefühlt habe, als ich kürzlich dem Vortrag des Volksphilosophen Dieter Nuhr lauschte. Ich wurde dort über einige vielleicht etwas unschöne Vorkommnisse in deutschen Gauen aufgeklärt. Es gebe »etwa 300 bis 350 Frauenmorde jedes Jahr«, sagte er, und natürlich seien das »300 bis 350 zu viel«. Und jetzt kommt das ABER: „Aber es gibt in Deutschland zig Millionen Männer. Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null.“
Aberaberaber, man wird doch wohl eine solche eindeutige Gleich-Nulligkeit mal klarstellen dürfen. Und dann gab Nuhr, unerschrocken mannhaft wie er nun mal ist, als Sexualberater dem jiepernden Weibsvolk zu bedenken, dass es empfehlenswerter sei, den Geschlechtsverkehr etwas hinauszögern, wenn man jemand kennenlernt. Eben: „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt.“
Ganz klar, sonst dürfen sich die Frauen eben nicht wundern, wenn sie schon beim ersten Mal beim Geschlechtsverkehr ermordet werden – statt erst später, wenn sie sich ihrem Macho-Wüterich nach langer Ehe verweigern.
Das nuhrifizierte Publikum im Fernsehstudio dankte Demagogen-Dieter für diese Erkenntnisse mit grölend zustimmendem Gelächter. Sein reichlich vorhandenes Fernsehvolk zeigt sich lustvoll ergriffen und dankbar dafür, dass da gefühlt alle halbe Stunde ein Messias auf der öffentlich-rechtlichen TV-Bildfläche erscheint, der die wahre deutsche Satire aus dem woken Morast der links-grünen Syphilitiker heraus gesumpft hat.
IV.
Und wenn Sie jetzt meinen, dass hier ein minderwertiger Kabarett-Pinscher voll des quittegelben Neides einem genialen satirischen Maestro ans Bein zu pinkeln versucht, dann haben Sie wahrscheinlich recht. Nuhr war es ein vergeblicher Versuch.
Aber vielleicht holt er mich eines Tages doch in seine vom Sendungsbewußtsein strotzende Sendung. Ich würde dort mutig meine Behauptung wiederholen, auch wenn sie durch nichts bewiesen ist:
Dieter Nuhr ist kein Frauenmörder!
Und das war’s für heute!
Es grüßt Sie herzlich und hirnlich
Ihr Martin Buchholz