Buchholzens
Satire-
Letter
Der etwas andere
Kommentar

Nr. 764 vom 30. Mai 2026
Satire-Letter Nr. 764 vom 30. Mai 2026
BUCHHOLZ GESTEHT
ZUG UM ZUG
I.
Die Deutsche Bahn ist in diesen Tagen schwer ins Gerede gekommen. Ausländische Konzerne wollen sie auf unserem heimatlichen Boden zur Strecke bringen – und zwar besonders auf den langen Strecken. Nun ist diese Deutsche Bahn allerdings längst nicht mehr das, was sie mal war. Einst war sie wirklich deutsch, das heißt: sie war zuverlässig und pünktlich, also fahrplanmäßig präzise. „Scratch a German and you find precision“, so priesen uns einst die Engländer mit einem neidvoll vergifteten Lob. „Kratz einen Deutschen und du findest einen pingeligen Präzisions-Automaten“, so etwa würde die sinngemäße Übersetzung wohl lauten. Doch seit die Briten Europa brexitiert haben, kratzen sie uns nicht mehr so sehr.
II.
Doch dampfen wir nun von dieser assoziativen Nebenstrecke wieder zurück zur Deutschen Bahn. Auf die muss man bekanntlich auf den Bahnsteigen dieser Republik oft sehr lange hoffen und harren – „aufgrund betriebsbedingter Störungen, für die wir um Verständnis bitten“. Immer wieder fleht man mich, einen ökologisch überzeugten Bahnfahrer, per Lautsprecher um Verständnis dafür an, dass sich irgendwelche Züge auf geheimnisvolle Weise ins Nirgendwo verflüchtigt haben und nun als Geisterbahnen im Nirwana herumirren.
Und doch, jajaja, ich habe dafür Verständnis – und zwar im Übermaß, denn ich weiß, wer letztlich schuld ist an diesem ganzen metaphysischen Bahnunglück. Ja, ich gestehe: Der Schuldige bin ich. Es liegt an mir, wenn heute Züge reihenweise ausfallen, denn ich bin der eigentliche Zugräuber. Ich habe das ganze …nun ja… angebahnt. Um das zu erklären, muss ich allerdings etwas nebengleisig ausschweifen.
III.
Die Leserinnen und Leser meiner Kolumnen wissen wohl inzwischen über meine unglückselige Vergangenheit Bescheid – nämlich, dass ich schon in frühen Jahren nicht auf eine rechte deutsche Bahn geraten war, sondern auf eine schiefe. Ich hatte mich damals angesteckt mit der linken Syphilis (und zwar schon lange, bevor sie ins rot-grüne Siechtum changierte). Und ich habe meine Umwelt wissentlich mit diesem Bakterium infiziert. Schlimmer noch: In etwas jugendfrischeren Jahren habe ich als Vater zweier minderjähriger Knaben gemeinsam mit meinem mir damals angetrauten Weibe unsere Nachwüchslinge schwer syphilisiert, also links-verseucht. Gemeinsam mit anderen ähnlich pervers veranlagten Eltern praktizierten wir in sogenannten „Kinderläden“ eine sogenannte „antiautoritäre Erziehung“, die sich verhängnisvoll auf die Zukunft unserer minderjährigen Opfer ausgewirkt hat.
Die Kinder wurden von uns schon im Vorschulalter rücksichtslos indoktriniert mit Vorlesungen in Sachen Klassenkampf. Und ich war einer dieser Vorleser. Irgendwann hatte ich die bis dahin noch halbwegs keuschen Seelen so weit korrumpiert, dass sie total abhängig waren von bestimmten Geschichten. Story-Junkies, die immer wieder nach neuem Stoff jieperten.
Da gab es zum Beispiel die Hetzschrift eines kryptokommunistischen Agitators, eines gewissen Michael Ende. Der hatte eine typisch links-verfälschte Lügengeschichte über die Anfänge der Arbeiterbewegung zu Beginn des Maschinenzeitalters geschrieben. Der Titel dieses Machwerks war: „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“. Von den beiden Protagonisten, war einer natürlich schwarz, das Ganze also multi-kulti-propagandistisch infiltriert.
Jim Knopf und Lukas hatten eine zugkräftige Verbündete, nämlich die Lokomotive Emma. Auch dieser Name war natürlich eine Anspielung auf die damals in unseren Kreisen vorherrschenden emmanzipatorischen Umtriebe. Mit dieser Lokomotive kutschierten die beiden gemächlich in ihrem anarchistischen Lummerland herum – mit einer eindeutig ideologisch vorbestimmten Höchstgeschwindigkeit von Tempo 30. Dabei fuhren sie etwa nicht etwa nach Fahrplan, sondern nur nach Lust und Laune.
Das kam bei unseren antiautoritär versauten Gören natürlich gut an. Etliche von ihnen, Mädels wie Jungens, wollten fortan autonom und gezielt ideologisch eingleisig unterwegs sein und es diesem Lukas irgendwann gleichtun. Und so sind ganze Jahrgänge von Lokomotivführern nebst -innen herangezüchtet worden, die nur noch Bahnhof verstehen, wenn jemand sie zur fahrplanmäßigen Ordnung rufen will.
IV.
Somit bin ich mitschuldig geworden daran, dass man auf windigen Bahnhöfen oft stundenlang im Zug steht statt in einem zu sitzen. Pfui, Schimpf und Schande über mein schütteres Haupt! Aber inzwischen hat sich die Sache eigentlich verjährt. Mit einer Anklage habe ich nicht mehr zu rechnen. Und so hoffe ich auch, dass Sie mit mir, einem total entgleisten Linksverkehrer, ein Nachsehen haben. Und falls Sie die Sache mit dem Nachsehen ernst meinen, könnten Sie ja mal wieder nach mir sehen. Vielleicht gibt’s dann ein Wiedersehen – möglicherweise im November bei den „Wühlmäusen“.
Doch zunächst mal: Auf Wiederlesen! Es grüßt Sie herzlich und hirnlich
Ihr Martin Buchholz
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