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Satire-Letter Nr. 758 vom 8. Februar 2026
EPSTEIN UND ICH
I.
Neulich habe ich zu meinem nicht geringen Entsetzen festgestellt, dass ich ganz offenbar nicht zu dem Verein gehöre, der im “Spiegel“ und anderswo als „globale Elite“ betitelt wird und bei dem ein gewisser Mister Epstein der Vereinsvorsitzende war. Egal, wie viele halb geschwärzte Akten noch auf den publizistischen Markt kommen, ich fürchte, dass mein Name in keiner einzigen stehen wird. Ich bin einfach zu wenig global und noch weniger Elite.
Und minderjährige Mädel gehören auch nicht zu meiner Fangemeinde. Meine Groupies sind inzwischen eher im Rollator-Alter. Wie oft muss ich mich am Bühnenausgang durch einen Pulk von enthemmten Großmüttern kämpfen, die mir kreischend in kukidenter Ekstase ihre Stützstrümpfe entgegen schleudern.
Das wollte ich hier nur mal kurz klarstellen, falls Sie auf eine Enthüllung lauern, in der ich als Sittenstrolch entlarvt werde. Ich strolche in meinen Programmen und Büchern eher durch die Unsitten dieser Gesellschaft. Möglicherweise berühre ich mit meinen Gedanken auch diesen oder jene unsittlich, was manche vielleicht als anstößig empfinden. Denk-anstößig, wie ich hoffe.
II.
Morgen wage ich mich wieder nach Berlin zurück, hoffend, dass da nicht mehr alles allzu glatt geht. „Hals- und Beinbruch“ wünschte mir eine Freundin unnötigerweise per Mail. Unser Stadtvorsteher, ein wahrhaft Ver-Wegener, soll in den letzten Tagen die ganze Zeit unerschrocken Tennis gespielt haben, und zwar nicht wie sonst in der Halle, sondern auf den vereisten Tennisplätzen seiner Spandauer Außenwelt. Diesmal wollte er nicht „den Kopf klar kriegen“ (was durchaus zu empfehlen ist , vorausgesetzt, dass die Birne nicht von einem totalen Stromausfall betroffen ist), sondern er wollte wohl eher sein Knie kleinkriegen aus Solidarität mit seinen gefallenen Bürgerinnen und Bürgern, die ihre zittrigen morschen Knochen auf den Unfallstationen angeliefert hatten. Seine Umwelt-Gouvernante soll ihm kräftig Streusalz in die Wunde gekrümelt haben, so dass der Heilungsprozess blitzeisschnell vonstatten ging. Der Mann soll inzwischen so richtig aufgetaut sein.
Schade, dass in Berlin erst im September gewählt wird. Zur Zeit könnte man dem Lavierenden Bürgermeister bei der Wahl mit ziemlicher Gewissheit wohl einen guten Rutsch wünschen.
Es grüßt Sie – vorerst ungebrochen – herzlich und hirnlich
Ihr Martin Buchholz
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