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Satire-Letter Nr. 756
vom 7. Januar 2026
Der verdunkelte Spahn
I.
Backout im besseren Berlin. Auch unser Berliner Zwei-Zimmer Domizil in Zehlendorf lag tagelang im tiefgekühlten Dustern, weil bei irgendwelchen hirnverfinsterten Öko-Irren alle geistigen Sicherungen duchgebrannt sind. Im Bekennerschreiben verkündeten diese lichtscheuen Gestalten, dass sie kein Mitleid mit irgendwelchen Villen-Besitzern haben könnten. Nun sind all unsere Nachbarn ebenso wie wir absolut Villen-los. (Und nicht alle haben das Glück wie mein Weib und ich, die wir zur Zeit nicht im Berliner Südwesten hausen, sondern im spanischen Süden.)
Eine solche Villen-Losigkeit kann man allerdings vom CDU-Oberfraktionär Jens Spahn nicht behaupten. Vor einiger Zeit hat er sich in einer Dahlemer Edel-Herberge angesiedelt. Doch jetzt wird Spahn vorgeworfen, dass die millionenfache Finanzierung seiner Luxusbehausung über einige etwas krumme Umwege zustande gekommen sein soll. Aber wie sagt schon das alte Sprichwort: Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg!
II.
Nun war Dahlem von der jetzigen erzwungenen Stromsperre nicht betroffen, doch selbst wenn… Spahn hat sich inzwischen an das Blackout gewöhnt, zumindest an das in seinem Oberstübchen. So liegt auch jegliche Erinnerung an seine Zeit als Masken-Minister im tiefstem Dunkel. Er versicherte kürzlich im Bundestag im Brustton der überzeugten Unschuldsvermutung:
„Ich persönlich habe nichts zu verbergen.“
Offenbar eine Standard-Floskel, wenn sich ein Politiker in einer etwas affären-bedrängten Situation befindet. In einem anderen Zusammenhang habe ich diese Aussage schon früher einmal analysiert.
Warum, so fragte ich mich, sagt der betroffene Politmensch nicht einfach: „Ich habe nichs zu verbergen“? Warum ergänzt er sein Ich um die unsinnige und völlig unnötige Vokabel „persönlich“?
Probieren wir es einmal mit dem Umkehrschluß des Satzes „Ich persönlich habe nichts zu verbergen“. Der Gegen-Satz würde lauten: „Ich unpersönlich habe etwas zu verbergen.“ Oder klarer: Ich als Amtsperson habe etwas zu verbergen. Denn als Minister war er ja angeblich dem Allgemeinwohl verpflichtet und sollte eigentlich „unpersönlich“ agieren, nämlich alle privaten persönlichen Interessen außen vor lassen. Und nicht jedem gelingt diese Persönlichkeitsspaltung. Die Gefahr ist groß, dass man in diesen Zwiespalt hinein stolpert.
III.
Nun ist die Sache mit der „Person“ ohnehin eine recht seltsame Chose. Der Begriff leitet sich von der lateinischen „persona“ ab, und das ist wortwörtlich „die Maske“. Diese Maske hatte der Schauspieler im antiken Theater vor dem Gesicht zu tragen, passend zu seiner Rolle – eine vorgeprägte Mimik in der öffentlichen Zurschaustellung.
Wenn also Jens Spahn erklärt: „Ich persönlich habe nichts zu verbergen“, sagt er im deutschen Klartext eigentlich: „Ich Maske habe nichts zu verbergen.“ Oder, anders herum formuliert: „Hinter mir Maske verbirgt sich das Nichts.“
Was immerhin einem entlarvenden Teilgeständnis in dieser ganzen Masken-Affäre gleichkäme. Doch damit genug der maskierten Wortklauberei.
Es grüßt Sie herzlich und hirnlich,
Ihr Martin Buchholz
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